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Chirurgie der Halsschlagader (Carotis)

Die zerebrovaskuläre Krankheit gehört zum Formenkreis der Arteriosklerose und ist dementsprechend häufig. Sie entsteht durch arteriosklerotische Ablagerungen in den hirnversorgenden Arterien, die zu einer Verengung und schliesslich zu einem Verschluss des Gefässes führen. Ebenso können sich an den Ablagerungen kleine Gerinnsel bilden, die in manchen Fällen durch den Blutstrom ins Hirn geschwemmt werden.

Symptomatik

Die Krankheit äussert sich zum Beispiel in vorübergehenden Lähmungserscheinungen oder Sensibilitätsstörungen, Sprachstörungen oder einseitigen Sehstörungen. Sie kann aber auch ohne Vorboten zu einem Hirnschlag mit bleibender Schädigung führen. Häufig verläuft die Krankheit lange Zeit ohne Symptome. Einziger Hinweis kann ein Strömungsgeräusch sein, das sich mit dem Stethoskop am Hals feststellen lässt; manchmal wird ein solches Geräusch auch vom Patienten selbst wahrgenommen.

Diagnostik

Zur Diagnose führt die genaue Befragung und Untersuchung des Patienten. Verschiedene bildgebende Verfahren stehen zur Verfügung, um die genaue Anatomie der Verengung darzustellen. Als erstes werden Untersuchungen mit Ultraschalltechnik und Doppler-Verfahren angewendet, die dem Spezialisten meistens genügend Information geben. Im Weiteren steht die Technik der Angiografie zur Verfügung.

Behandlung

Die konservative Behandlung der Krankheit besteht in einer Blutverdünnung mit Aspirin und ähnlichen Substanzen sowie in einer konsequenten Kontrolle und Behandlung der Risikofaktoren.

Als operative Therapie steht in erster Linie die Endarterektomie zur Verfügung. Diese Methode wird seit Jahrzehnten angewendet, dementsprechend sind auch die Langzeitresultate bekannt. Das Risiko, dass sich an derselben Stelle wieder eine Verengung bildet, ist kleiner als 5 Prozent innert 10 Jahren.

Die Indikation zur Operation ist gerechtfertigt, wenn eine Einengung die 70-Prozent-Grenze überschreitet, und sie ist dann zwingend und dringlich, wenn auch Symptome auftreten.

Stenotisches und thrombotisches Material an der Mündungsstelle der Carotis Interna

Die Halsschlagader wird abgeklemmt und durch einen Shunt der Blutfluss überbrückt.

Ausschälung (Endarterektomie): Das einengende Material wird sorgfältig entfernt.

Die Carotis Interna und Externa werden wieder zusammengenäht.

Operation

Die Operation (Ausschälung, Endarterektomie) wird in der Regel in Narkose, alternativ auch in Lokalanästhesie durchgeführt. Durch einen ca. 5 cm langen Schnitt am Hals wird die Halsschlagader mit ihren Ästen freigelegt. Der Blutstrom wird kurz unterbrochen, das Gefäss wird längs eröffnet. Ein Kunststoffröhrchen wird eingelegt, welches die eröffnete Stelle überbrückt und die Blutversorgung während des Eingriffs sicherstellt. Das einengende Material (Cholesterin, Fibrin, Kalk, thrombotisches Material) wird sorgfältig von der Gefässwand abgeschält und entfernt, wobei keinerlei Unebenheiten oder Stufen entstehen dürfen. Die äussere Gefässwand wird mittels eines feinen Fadens wieder verschlossen, wobei zur Entfernung des Kunststoffröhrchens der Blutstrom wieder kurz unterbrochen werden muss.

Die Patienten können meist nach wenigen Tagen die Klinik verlassen und sind durch die Operationsfolgen kaum beeinträchtigt. Mögliche vorübergehende Frühfolgen der Operation sind zum Beispiel Gefühlsstörungen am Kinn, Schwellung oder Bluterguss, Heiserkeit, Schluckstörungen.

Das Risiko, während oder nach der Operation einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei sorgfältiger und adäquater Technik minimal (kleiner als 0,5%).

Seit einigen Jahren wird als Alternative zur operativen Endarterektomie an einigen Zentren die Ballondilatation und Stentimplantation angewendet. Diese ist jedoch nicht für alle Fälle geeignet. Mehrere Studien wurden wegen hoher Komplikationsraten abgebrochen. Zudem sind die Langzeitresultate dieser Methode noch nicht bekannt. Die Carotisendarterektomie ist eine bewährte Methode mit sehr niedrigem Risiko und ausgezeichneten Langzeitresultaten. Sie kann als Gold Standard bezeichnet werden, an dem sich alternative Verfahren zu messen haben.